Die Zweifel darüber, wie lange das außergewöhnliche Investitionsvolumen in künstliche Intelligenz (KI) aufrechterhalten werden kann, begleiten die großen Technologiekonzerne seit Monaten. Die neuesten Ergebnisse von Nvidia bieten zumindest vorerst eine klare Antwort: Die Nachfrage nach Rechenleistung wächst weiterhin in einem Tempo, das in keiner anderen großen Industrie zu finden ist.
Nvidia schloss das zweite Quartal seines Geschäftsjahres 2027 mit einem Umsatz von 96,221 Milliarden US-Dollar ab, was einem Anstieg von 106% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Der Nettogewinn erreichte 59,688 Milliarden Dollar, gegenüber 26,422 Milliarden Dollar im Vorjahr, wie aus den veröffentlichten Ergebnissen des Unternehmens hervorgeht. Binnen nur zwölf Monaten hat der Hersteller somit sowohl seinen Umsatz als auch seinen Gewinn mehr als verdoppelt.
Die Erklärung liegt im Wesentlichen in den Rechenzentren. Diese Sparte erzielte im vergangenen Quartal 89 Milliarden US-Dollar, 117% mehr als im Vorjahr und machte etwa 92,5% des gesamten Umsatzes von Nvidia aus. Das Gewicht, das dieses Geschäft erlangt hat, zeigt, inwieweit sich das Unternehmen, das jahrelang hauptsächlich für seine Grafikkarten bekannt war, zu einem der führenden Anbieter der Infrastruktur entwickelt hat, auf der künstliche Intelligenz aufgebaut wird.
Und Nvidia erwartet keine sofortige Verlangsamung. Die Prognose für das dritte Quartal sieht die Einnahmen bei etwa 108 Milliarden US-Dollar, mit einer Schwankungsbreite von 2% nach oben oder unten. Das Unternehmen prognostiziert zudem ein starkes Wachstum im kommenden Geschäftsjahr, während es weiterhin die notwendige Kapazität erhöht, um der Nachfrage von großen Cloud-Service-Anbietern, Unternehmen und KI-Projekten aus verschiedenen Ländern gerecht zu werden.
Investitionen in KI befeuern die Nachfrage
Das Wachstum von Nvidia steht in engem Zusammenhang mit den enormen Kapitalmengen, die die großen Technologiekonzerne in Rechenzentren investieren. Das Trainieren und Betreiben zunehmend komplexer Modelle erfordert Tausende von Prozessoren, die gemeinsam arbeiten, zusätzlich zu Speicher, Hochgeschwindigkeitsnetzen, Kühlsystemen, Strom und großen Einrichtungen, die die gesamte Infrastruktur aufnehmen können.
Nvidia nimmt innerhalb dieser Kette eine außergewöhnliche Position ein, da seine GPUs zu den wesentlichen Komponenten großer KI-Systeme geworden sind. Der Vorteil des Unternehmens liegt nicht nur in der Herstellung von Prozessoren. Seit Jahren hat es ein Ökosystem aus Software, Netzwerken und Werkzeugen aufgebaut, das es Entwicklern und Unternehmen erleichtert, auf seiner Architektur zu arbeiten, und es den Kunden erschwert, schnell den Anbieter zu wechseln.
Die nächste Produktgeneration muss diese Position weiter festigen. Die Vera Rubin-Plattform wird nun in Produktion genommen, und Nvidia erwartet, dass sie zur Aufrechterhaltung des Wachstums in den kommenden Quartalen beiträgt. Das Unternehmen versucht, das Tempo zu erhöhen, mit dem neue Architekturen eingeführt werden, während seine Wettbewerber und einige seiner großen Kunden Alternativen entwickeln.
Amazon, Google und Microsoft, unter anderem Technologiekonzerne, arbeiten mit eigenen Prozessoren für bestimmte KI-Lasten. Auch AMD konkurriert direkt mit Nvidia bei Beschleunigern für Rechenzentren. Die Marktdimension ermöglicht es derzeit, dass unterschiedliche Lösungen coexistieren, obwohl die Führungsrolle von Nvidia weiterhin einer der Faktoren ist, die seine Margen und Gewinne erklären.
Das Unternehmen bemüht sich zudem, sicherzustellen, dass die Verfügbarkeit von Finanzierung nicht zu einer Grenze für den Ausbau der Infrastrukturen wird. In seinen Ergebnissen hebt es Vereinbarungen mit großen Finanz- und Investmentgruppen wie Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR hervor, um unabhängige Plattformen zu entwickeln, die im Laufe der Zeit und vorbehaltlich endgültiger Vereinbarungen mehr als 500 Milliarden US-Dollar an Fremdkapital für Infrastruktur im Bereich künstliche Intelligenz mobilisieren sollen.
Die Zahl hilft zu verstehen, in welchem Umfang das Phänomen an Bedeutung gewinnt. Die Entwicklung der KI hängt nicht mehr nur von den technologischen Entscheidungen einiger weniger Unternehmen im Silicon Valley ab. Sie mobilisiert Investmentfonds, Banken, Energiekonzerne, Betreiber von Rechenzentren und Regierungen, die alle notwendig sind, um die Anlagen zu finanzieren und zu bauen, die für die Steigerung der Rechenkapazität erforderlich sind.
China bleibt ein Unbekannter
Das außergewöhnliche Wachstum beseitigt jedoch nicht die Risiken. Eines der Hauptprobleme bleibt China, ein Markt, auf den Nvidia aufgrund der von den USA auferlegten Exportbeschränkungen für bestimmte fortgeschrittene Halbleiter nicht normal zugreifen kann.
Das Unternehmen selbst hat angedeutet, dass seine Prognose für das nächste Quartal keine Einnahmen aus dem Verkauf von Rechenleistungen für Rechenzentren an chinesische Kunden umfasst. Die Entwicklung der Beziehungen zwischen Washington und Peking könnte bestimmen, ob Nvidia Teile dieses Marktes zurückgewinnt oder ob die chinesischen Hersteller ihre Abhängigkeit von US-Technologie schrittweise verringern können.
Es bestehen auch Spannungen in der Lieferkette. Das gleichzeitige Wachstum der Rechenzentren erhöht die Nachfrage nach Speicher und anderen Komponenten, die zur Herstellung der KI-Systeme benötigt werden. Die Verteuerung einiger dieser Elemente könnte Druck auf die Margen ausüben, selbst in einer Phase außergewöhnlichen Verkaufswachstums.
Die größte Unbekannte befindet sich jedoch wahrscheinlich außerhalb von Nvidia. Die großen Technologiefirmen investieren immer höhere Summen in den Aufbau von KI-Infrastrukturen, und der Markt wird letztendlich verlangen, dass diese Investitionen ausreichende Renditen erzielen. Solange diese Ausgaben weiter wachsen, wird Nvidia weiterhin Käufer für seine Prozessoren finden. Die Frage wird sein, was passiert, wenn die Investoren beginnen, das investierte Kapital strenger mit den Einnahmen und Gewinnen zu vergleichen, die durch künstliche Intelligenz erzielt werden.
Die diese Woche veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass dieser Moment den Zyklus noch nicht gestoppt hat. Nvidia hat gerade die Marke von 96 Milliarden US-Dollar Quartalsumsatz überschritten und erwartet, im nächsten Quartal die 100 Milliarden-Dollar-Marke zu durchbrechen. Gleichzeitig werden weiterhin neue Rechenzentren gebaut, und die Finanzindustrie beginnt, Kapital in einem Umfang zu mobilisieren, der vor wenigen Jahren für eine noch aufkommende Technologie schwer vorstellbar gewesen wäre.
Das Wachstum von Nvidia zeigt nicht, dass alle Investitionen in künstliche Intelligenz rentabel sein werden, noch löst es die Debatte über die Bewertungen der Unternehmen im Sektor. Es bestätigt jedoch etwas Konkreteres: Die Unternehmen, die die weltweite Infrastruktur für KI aufbauen, haben noch nicht das Gaspedal gelöst. Und solange dieses Rennen weitergeht, wird Nvidia weiterhin einen der profitabelsten Plätze in der gesamten Kette einnehmen.










