Spanien entwickelt sich zu einem wichtigen Baustein der industriellen Expansion chinesischer Automobilhersteller in Europa. Was mit dem Markteintritt neuer Marken und importierter Fahrzeuge begann, tritt nun in eine neue Phase ein: Produktion innerhalb des Kontinents, Nutzung bestehender Werke und Partnerschaften mit europäischen Konzernen. Auf dieser neuen Landkarte nimmt Zaragoza bereits eine bedeutende Stellung ein.
Das jüngste Signal kommt von BYD. Alfredo Altavilla, Sonderberater für Europa des chinesischen Herstellers, erklärte Reuters, das Unternehmen suche nach bestehenden Produktionsstätten, die es erwerben und rasch anpassen könne. Spanien und Frankreich zählen Altavilla zufolge zu den realistischsten Optionen.
BYD hat diesen neuen Standort noch nicht ausgewählt, sodass bislang kein spanisches Werk den Zuschlag erhalten hat. Die Strategie lässt jedoch einen weiterreichenden Wandel erkennen. Chinesische Hersteller betrachten Europa nicht mehr nur als Absatzmarkt für ihre Exporte, sondern beginnen, eine eigene industrielle Präsenz aufzubauen oder diese gemeinsam mit europäischen Unternehmen zu entwickeln.
Künftige EU-Vorgaben zum lokalen Wertschöpfungsanteil beschleunigen diesen Prozess. Für chinesische Hersteller verringert eine Produktion innerhalb der Europäischen Union zudem die Abhängigkeit von Handelshemmnissen, die aus China importierte Elektrofahrzeuge betreffen.
BYD hat seine europäische Produktion bereits in Ungarn aufgenommen und will noch vor Jahresende einen zweiten Standort auswählen. Langfristig rechnet das Unternehmen damit, drei Montagewerke und eine Batteriefabrik zu benötigen, um den europäischen Markt zu versorgen.
Figueruelas gehört bereits zu dieser Landkarte
In Aragón trägt dieser Prozess konkrete Namen: Stellantis und Leapmotor. Der europäische Konzern und der chinesische Hersteller kündigten im Mai an, ihre Partnerschaft ausbauen zu wollen, die besteht, seit Stellantis sich an Leapmotor beteiligt und beide Unternehmen Leapmotor International gegründet haben.
Eines der wichtigsten Vorhaben befindet sich in Figueruelas. Die beiden Unternehmen prüfen, dort den Leapmotor B10 zu produzieren, ein elektrisches SUV des C-Segments. Der mögliche Produktionsstart ist für 2026 vorgesehen.
Die Pläne gehen darüber hinaus. Stellantis und Leapmotor prüfen zudem die Einrichtung einer neuen Linie, um in Zaragoza ein vollelektrisches C-SUV von Opel zu fertigen, das in Rüsselsheim konzipiert und entwickelt wurde. Ein möglicher Produktionsbeginn wird ab 2028 erwartet.
Die industrielle Besonderheit des Projekts liegt in der Aufteilung der Kompetenzen. Das Opel-Fahrzeug wäre in Entwicklung und Fertigung europäisch, könnte jedoch Komponenten aus dem Ökosystem von Leapmotor International enthalten. Stellantis sieht in dieser Zusammenarbeit einen Weg, Kosten zu senken und die Einführung neuer Elektromodelle zu beschleunigen.
Figueruelas wäre somit nicht lediglich ein europäisches Werk, das für die Montage eines chinesischen Autos genutzt wird. Das von den Unternehmen geprüfte Konzept verbindet Technologie, Komponenten, Beschaffung und industrielle Kapazitäten beider Seiten.
Für ein Werk, das seit mehr als vier Jahrzehnten Automobile produziert, bedeutet diese Zusammenarbeit die Anpassung an einen Markt, der sich deutlich von jenem unterscheidet, in dem der Opel Corsa 1982 entstand.
Von Figueruelas nach Mallén
Die chinesische Präsenz in Aragón umfasst bereits einen weiteren, weniger sichtbaren Baustein. Im Juni kündigte Leapmotor International die Eröffnung einer Batteriewerkstatt in Mallén nahe Zaragoza an.
Die Anlage ist für die Montage von Modulen und weitere Prozesse im Zusammenhang mit den Batterien bestimmt, die für die Produktion von Elektrofahrzeugen benötigt werden. Das Unternehmen selbst bezeichnete das Projekt als Schritt von einer zunächst kommerziellen Partnerschaft hin zu einer tatsächlichen industriellen Präsenz in der Region.
Die Kombination aus Figueruelas und Mallén ist bedeutsam, weil sie zeigt, wie sich die Ansiedlung eines Herstellers auf verschiedene Bereiche der Wertschöpfungskette ausweiten kann.
Die Elektrifizierung hat diese Wertschöpfungskette verändert. Batterien, Elektronik, Software und neue Komponenten haben an Bedeutung gewonnen, während einige traditionelle Bauteile des Verbrennerfahrzeugs an Gewicht verlieren. Für Regionen mit einer etablierten Automobilindustrie erfordert der Erhalt ihrer Werke auch die Ansiedlung von Aktivitäten rund um das Elektrofahrzeug.
Barcelona bietet ein anderes Modell
Zaragoza ist kein Einzelfall. In Barcelona hat die Partnerschaft zwischen Ebro und dem chinesischen Hersteller Chery dazu beigetragen, die industrielle Aktivität in den ehemaligen Nissan-Anlagen in der Zona Franca wiederzubeleben.
Beide Unternehmen haben bereits mehr als 150 Millionen Euro in den Umbau des Werks investiert. In diesem Sommer nahm eine neue Linie mit zusätzlichen Kapazitäten für die Produktion von 250 Fahrzeugen täglich den Betrieb auf, wodurch sich die bisherige Kapazität nach Angaben des Unternehmens verdreifacht.
Das Modell unterscheidet sich von dem von Stellantis und Leapmotor, folgt jedoch demselben Wandel. Ein chinesisches Unternehmen erhält europäische Fertigungskapazitäten, ohne von Grund auf ein großes Werk errichten zu müssen, und Spanien sichert industrielle Aktivität in Anlagen, die bereits über Beschäftigte, Zulieferer, Logistik und gewachsene Erfahrung verfügen.
Gerade dieser letzte Faktor gewinnt zunehmend an Bedeutung.
Der Bau eines Werks erfordert Jahre und erhebliche Investitionen. Der Einstieg in eine bestehende Anlage verkürzt die Zeitpläne und ermöglicht die Nutzung eines bereits funktionierenden industriellen Ökosystems. Altavilla räumte ausdrücklich ein, dass BYD diesen Weg prüft, um seine europäische Präsenz schneller auszubauen.
Spanien verfügt über mehrere Eigenschaften, die das Land auf diesen Radar bringen: eine lange Automobiltradition, Werke mit industriellen Kapazitäten, ein weitreichendes Zuliefernetz und eine bedeutende Position in der europäischen Fahrzeugproduktion.
Von Wettbewerbern zu Industriepartnern
Der Markteintritt chinesischer Hersteller führt zugleich zu einer komplexeren Beziehung mit der europäischen Industrie. Sie sind Wettbewerber auf dem Markt, beginnen jedoch auch, zu Industriepartnern zu werden.
Stellantis ist an Leapmotor beteiligt und nutzt diese Partnerschaft, um sein Elektroangebot auszubauen. Ebro produziert gemeinsam mit Chery in Barcelona. Andere europäische Hersteller prüfen Kooperationsmodelle, um Technologie, Plattformen, Komponenten oder Produktionskapazitäten gemeinsam zu nutzen.
Das Phänomen fällt in eine schwierige Phase für die europäische Automobilindustrie. Traditionelle Hersteller stehen vor den Kosten der Elektrifizierung, zunehmendem Wettbewerb und der Notwendigkeit, Elektrofahrzeuge zu erschwinglicheren Preisen anzubieten. Chinesische Marken wiederum müssen innerhalb Europas produzieren, um ihre Präsenz zu festigen und ihre Abhängigkeit von Zöllen sowie künftigen Vorgaben zum lokalen Wertschöpfungsanteil zu verringern.
Die Interessen sind nicht identisch, doch bei bestimmten Projekten beginnen sie sich zu überschneiden.
Entscheidend wird sein, wie die Wertschöpfung innerhalb dieser Partnerschaften verteilt wird. Die Produktion von Fahrzeugen in Spanien sichert industrielle Aktivität und kann neue Investitionen schaffen. Ebenso wichtig wird jedoch sein zu beobachten, wo Entwicklung, technologische Innovation, Zulieferer, Batterien und Komponenten mit hoher Wertschöpfung angesiedelt werden.
Diese Debatte wird insbesondere für Regionen wie Aragón relevant sein, wo die Automobilindustrie nicht an den Toren von Figueruelas endet. Rund um das Werk besteht eine über Jahrzehnte aufgebaute Zulieferindustrie, die den technologischen Veränderungen der Branche unmittelbar ausgesetzt ist.
Was mit Leapmotor geschieht, kann daher ein erster Indikator dafür sein, inwieweit die neue Beziehung zu chinesischen Herstellern auch Chancen für Zulieferer, Ingenieurwesen, Logistik und qualifizierte Arbeitsplätze in der Region schafft.
Die Ansiedlung der Batteriewerkstatt in Mallén weist in diese Richtung, auch wenn










