Der Januar 2026 beginnt mit einem der solidesten und kohärentesten Verlagsvorschläge, die im Katalog von Dolmen Editorial zu finden sind. Ein Monat, der fast wie eine Grundsatzdeklaration funktioniert: Klassizismus, verstanden als kulturelles Erbe, die Wiederentdeckung grundlegender Meilensteine des anglo-amerikanischen und europäischen Comics und ein übergreifender Blick, der von der ikonischsten Comics bis hin zu grafischen Essays und literarischen Erzählungen reicht. All dies mit einer sorgfältigen Edition, dem Anspruch auf Beständigkeit und einem absoluten Respekt für den spezialisierten Leser.
Dolmen beweist erneut, dass die verlegerische Linie nicht aus Nostalgie als Zuflucht entsteht, sondern als Werkzeug, um die Geschichte des Mediums zu kontextualisieren, zu ordnen und zu reivindizieren.
Die dystopische Zukunft wird erneut bewertet
Judge Dredd: Mechanismo
Wenigstens fasst keine Saga das DNA von Judge Dredd so gut zusammen wie Mechanismo. Ursprünglich in den neunziger Jahren veröffentlicht und bislang in Spanien unveröffentlicht, stellt diese Geschichte, geschrieben von John Wagner, dem Mitbegründer der Figur, ein aktuelles Dilemma dar: die Delegation der Justiz an automatisierte Systeme.
Die Roboter-Richter kommen nach Mega-City One als effiziente Lösung… bis ihre entmenschlichte Logik anfängt, absurde Urteile zu fällen. Gegenüber steht Dredd, der die endgültige Paradoxie verkörpert: ein unerbittlicher Richter, aber menschlich gegenüber der Maschine. Der Band, illustriert von Colin MacNeil, Pete Doherty und Manuel Benet, spielt direkt nach mythischen Story-Arcs wie Necrópolis oder Der Tag des Gerichts und festigt eine Schlüsselphase der Figur.
Eine umfassende Ausgabe, gebunden und im Großformat, die nicht nur die Dredd-Bibliothek auf Spanisch vervollständigt, sondern auch mit zeitgenössischen Debatten über künstliche Intelligenz, Kontrolle und Macht in Dialog tritt.
Gewalt, Fatalismus und Straße
Strontium Dog, Band 5
Mit dem fünften Band von Strontium Dog erreicht Dolmen den Mittelpunkt einer der ungeschliffensten und charismatischsten Serien des britischen Comics. Johnny Alpha, der mutantische Kopfgeldjäger, tritt hier gegen die Stix-Brüder an, Antagonisten, die das Schlimmste von Hass und Gewalt ohne Gewissen bündeln.
Unterzeichnet von John Wagner und Alan Grant, mit der unverwechselbaren Kunst von Carlos Ezquerra, kombiniert dieser Band Schwarz-Weiß- und Farbhepisoden und enthält bislang unveröffentlichtes Material in Spanien. Das Ergebnis ist ein futuristischer Western, in dem Epik, Nihilismus und die härteste soziale Kritik miteinander verschmelzen.
Strontium Dog ist nicht nur Action: Es ist ein moralisches Röntgenbild einer zerbrochenen Welt, und dieser Band macht das besonders deutlich.
Klassizismus, der nicht altert
Prince Valiant 2025
Nahe daran, neunzig Jahre nach seiner Schaffung zu feiern, beweist Prince Valiant weiterhin, dass das klassische Abenteuer modern sein kann, ohne sich zu verleugnen. In dieser Ausgabe für 2025 setzen Mark Schultz und Tom Yeates eine Phase fort, die das Erbe von Hal Foster respektiert und gleichzeitig emotionale Spannung, Fantasie und Dramatik einführt.
Val kehrt mit seinem schwer verletzten Sohn nach Camelot zurück, und das Auftreten von Morgan Le Fay bringt ein mythisches Element ins Spiel, das mit den legendärsten Ursprüngen der Saga verbindet. Eine Serie, die sich nicht neu erfinden muss, denn ihre Stärke liegt in der reinen Erzählung, der eleganten Zeichnung und dem klassischen Rhythmus.
Luftfahrt, Spionage und Glamour im Kalten Krieg
Buz Sawyer 1950-1952
Die Wiederentdeckung von Buz Sawyer geht mit diesem Band weiter, der die Jahre 1950 bis 1952 umfasst. Roy Crane, einer der großen Meister der amerikanischen grafischen Erzählung, versetzt seinen Helden mitten in den Kalten Krieg, zwischen Missionen in Osteuropa, politischen Intrigen und unmöglichen Romanzen.
Abenteuer, Humor, Femme Fatales und sogar Shakespeare finden sich in einem Werk, das zeigt, warum die Pressecomics über Jahrzehnte hinweg eines der größten Erzähl-Labore des Comics waren. Eine unverzichtbare Ausgabe, um die Entwicklung der modernen grafischen Sprache zu verstehen.
Das Kino von innen zeichnen
Paco Sáez: Tagebuch eines Filmzeichners
Über den Comic hinaus setzt Dolmen auf diesen von Paco Sáez, einem der bekanntesten Storyboard-Künstler des internationalen Szenarios, signierten grafischen Essay. Zwischen technischem Handbuch und illustrierter Autobiografie enthüllt das Buch, wie die visuelle Erzählung des Films von Bild zu Bild aufgebaut wird.
Mit persönlichen Anekdoten, Arbeitsprozessen und ehrlichen Reflexionen über die Branche ist Tagebuch eines Filmzeichners ein inspirierendes Werk sowohl für Fachleute als auch für Liebhaber der audiovisuellen Sprache.
Packs, Zeitschrift und kulturelle Wiederentdeckungen
Der Januar wird abgerundet durch zwei speziell für Sammler gedachte Packs: Johnny Hazard, der Flugheld, erschaffen von Frank Robbins, und Mytek der Mächtige, eines der Ikonen des klassischen britischen Comics, signiert von Tom Tully und Eric Bradbury. Zwei kulturelle Wiederentdeckungen, die die Arbeit von Dolmen als lebendiges Archiv des Mediums stärken.
Hinzu kommt die Ausgabe 371 der Zeitschrift Dolmen, mit einem kraftvollen Cover von Frank Quitely, das dem Crossover Batman/Deadpool gewidmet ist, sowie Analysen des Mutantenuniversums nach der Ära von Krakoa und dem traditionellen Rückblick auf das Comic-Jahr.










