Shogo Yoshii bringt in Zaragoza „Die Stimme der Erde“: Eine musikalische Reise zwischen japanischer Tradition und Umweltbewusstsein

Die Musik als Brücke zwischen Kulturen, aber auch als Werkzeug, um zu erinnern, wer wir sind. Das ist der Vorschlag von Shogo Yoshii, einem japanischen Komponisten, Interpreten und künstlerischen Leiter, der am 12. Mai in Zaragoza mit Earth Voice – Die Stimme der Erde zu Gast sein wird, einer Aufführung, die das konventionelle Konzert übersteigt und zu einer sensorischen und reflektiven Erfahrung wird.

Der Termin findet im Centro Cívico Delicias statt, wo der Künstler, der über eine beeindruckende internationale Karriere verfügt und ehemaliges Mitglied des renommierten Ensembles Kodō ist, ein Klanguniversum entfalten wird, das japanische Tradition und zeitgenössisches Empfinden verbindet.

„Die traditionellen Lieder sind die Stimme der Erde, die wir vergessen haben zuzuhören“, erklärt Yoshii gegenüber Go Aragón, dessen Vorschlag genau aus diesem Bedürfnis nach Reconnectierung hervorgeht. Sein Projekt schöpft aus den kulturellen Wurzeln Japans, wo Musik nicht nur ein künstlerischer Ausdruck, sondern auch eine Form der sozialen Kohäsion und der Beziehung zur Umwelt war.

Eine Musik, die aus der Natur geboren wird

Aufgewachsen zwischen Tokio und Yokohama erlebte Yoshii eine Kindheit, die von der Verbindung zur Natur geprägt war. Doch erst in seiner Jugend wurde ihm die Verletzlichkeit dieser Natur bewusst. “Ich fühlte tiefen Kummer, als ich sah, wie sie verschwand. Da verstand ich, dass ich als Teil von ihr leben wollte”, erzählt er.

Diese Entscheidung führte ihn dazu, die Stadt zu verlassen und auf die Insel Sado zu ziehen, wo er auf dem Feld arbeitete und seine Beziehung zur Welt neu definierte. Seitdem wird sein künstlerischer Werdegang von einer zentralen Idee geleitet: Kunst kann sich nicht von Umweltbewusstsein trennen.

In Earth Voice übersetzt sich diese Philosophie in eine Inszenierung, in der jedes Element einen natürlichen Ursprung hat. Holz- und Felltrommeln, Bambusflöten oder Saiteninstrumente aus Seide und organischen Materialien bilden eine Klangarchitektur, die auf das Wesentliche verweist.

Tradition, Erinnerung und globaler Klang

Die Aufführung kombiniert Instrumente wie die taiko-Trommeln, die shinobue-Flöte oder das kokyū, die von Yoshii selbst gespielt werden, mit anderen charakteristischen Klängen wie dem sanshin oder dem rokushin. Zudem wird die Teilnahme junger Perkussionisten den Auftritt bereichern, die Energie und Tiefe einbringen und die traditionellen japanischen Feste heraufbeschwören.

Weit davon entfernt, eine kulturelle Schau zu präsentieren, betont Yoshii die Universalität der musikalischen Sprache: „Wir wollen die japanische Musik nicht als etwas Exotisches zeigen, sondern dass das Publikum spürt, dass wir, obwohl wir unterschiedlich sind, im Grunde genommen gleich sind“. Das Ergebnis ist eine immersive Erfahrung, bei der der Klang und auch die Stille als Brücke zwischen Kulturen und Empfindungen fungieren.

Eine Europatournee mit einem wichtigen Halt in Zaragoza

Das Konzert in der Hauptstadt Aragonien wird eines der ersten Datum seiner Europatour sein, die in der Schweiz beginnt und weiter Städte wie Barcelona, Düsseldorf oder Frankfurt umfasst. Genauer gesagt, das zweite. Hinter diesem Halt steht die Vermittlung der zaragozanischen Beatriz Ruiz Fernández, Perkussionistin, die mit taiko verbunden ist und an der Organisation der Tour beteiligt ist. „Es ist eine einzigartige Gelegenheit. Es ist nicht alltäglich, so einen Vorschlag in Spanien zu sehen, der Percussion, Gesang und traditionelle Instrumente mit dieser Tiefe kombiniert“, erklärt sie aus Deutschland, wo sie lebt.

Ruiz hebt den innovativen Charakter der Aufführung innerhalb der Musikwelt hervor: „In Spanien haben wir japanische Percussion-Gruppen gesehen, aber Shogos Ansatz, mit einer so direkten Verbindung zur Natur und Tradition, ist anders.“

Die Musik als Werkzeug der Empathie

Über das Bühnengeschehen hinaus regt Earth Voice zu einer tiefgründigen Reflexion an. Für Yoshii war Musik historisch gesehen ein zentrales Element für soziale Kohäsion: “Sie fördert Empathie, vereint Menschen und hilft, auch in schwierigen Umfeldern zusammenzuleben.” Sein Vorschlag zielt nicht so sehr auf ein intellektuelles Verständnis, sondern auf eine emotionale Erfahrung ab. “Es ist nicht nötig, die Musik zu analysieren. Wenn du sie einfach fühlst, kann sie eine Erinnerung wecken, etwas, das bereits in uns ist”, betont er.

Diese Idee verbindet sich mit dem japanischen Konzept von jinen, das sich auf das Natürliche in seinem reinsten Zustand ohne Eingriffe bezieht. Eine Philosophie, die sich durch die gesamte Aufführung zieht und die der Künstler im Publikum aktivieren möchte. In einem globalen Kontext, der von der Entfremdung zur Umwelt geprägt ist, lädt Yoshii klar ein: „In Harmonie mit der Natur leben, Unterschiede anerkennen und unseren Kreis der Empathie erweitern“. Am 12. Mai wird Zaragoza einer der Orte sein, an dem diese “Stimme der Erde” gehört werden kann. Und vielleicht auch erinnert wird.

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