Halbwegs zwischen Madrid und Barcelona überrascht Zaragoza die Reisenden, die es wagen, von den ausgetretenen Pfaden abzuweichen. Ehemalige Hauptstadt des Königreichs Aragón, am Ufer des Flusses Ebro gelegen und gekrönt von der majestätischen Basilika del Pilar, kombiniert diese Stadt Geschichte, Kunst, Gastronomie und Gastfreundschaft mit einer Authentizität, die jeden Besucher erobert.
Für Touristen, die aus Iberoamerika nach Spanien kommen, ist Zaragoza der perfekte Ausflug von Madrid: nah, erreichbar und mit einer Persönlichkeit, die so reich wie unbekannt ist.
Eine Stadt mit mehr als zweitausend Jahren Geschichte
Gegründet von den Römern als Caesaraugusta, war Zaragoza ein Treffpunkt verschiedener Zivilisationen: römischer, muslimischer, jüdischer und christlicher Art. Dieses Erbe spürt man in jeder Straße und jedem Stein der Altstadt. Der Rundgang kann auf der Plaza del Pilar beginnen, einem der schönsten urbanen Plätze Spaniens. Hier erhebt sich die Basilika Nuestra Señora del Pilar, das Wahrzeichen der Stadt und eines der meistbesuchten marianischen Heiligtümer der hispanischen Welt. Ihre Türme dominieren die Skyline und von der höchsten lässt sich ein Panoramablick auf den Ebro und die Dächer Aragons genießen.
Im Inneren überraschen die Fresken von Goya – dem universellsten Künstler Aragons – durch ihre Kraft und Farbenpracht. Ganz in der Nähe befindet sich die Catedral de la Seo, ein Juwel der Mudéjar-Kunst (von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt), wo Mosaiken und Keramiken die einzigartige Verschmelzung der Kulturen zeigen, die Aragón prägt.
Von Goyas Kunst zur modernen Zaragoza
Zaragoza ist auch Geburtsstadt von Francisco de Goya. Der Besuch des Museo Goya ermöglicht es, die Entwicklung seines Genies zu entdecken: von seinen ersten Porträts bis zu den Werken, die die moderne Kunst vorausahnen.
Die zeitgenössische Kunst hat ihren Platz im IAACC Pablo Serrano, einem Museum, das einem der großen spanischen Bildhauer des 20. Jahrhunderts gewidmet ist. Seine Terrasse bietet einen der schönsten Blicke auf die Skyline von Zaragoza.
Wem die Natur lieber ist, kann die Puente de Piedra über den Ebro überqueren und den Parque del Agua erkunden, ein Erbe der Weltausstellung von 2008. Es ist ein naturbelassenes Areal mit Seen, Wegen und Grünflächen, ideal zum Wandern, Radfahren oder für Wassersport im Sommer.
Ein Spaziergang durch die Altstadt
Die historische Altstadt ist ein freundliches Labyrinth, in dem man sich ohne Karte verirren kann. Die Terrassen der Calle Alfonso I führen direkt zum Pilar, und rund um die Plaza de San Felipe finden sich Galerien, Designläden und kleine handwerkliche Werkstätten.
Im Tubo, dem besten Tapas-Viertel, vermischen sich die Düfte von Kroketten, Ibéricoschinken und Wein aus Somontano. Hier spürt man den fröhlichsten Geist der Stadt: hohe Tische, spontane Gespräche und die Atmosphäre, die nur dort existiert, wo die Menschen das Leben genießen.
Nachts verwandelt sich die Beleuchtung des Pilares, die sich im Fluss widerspiegelt, in eine Postkarten-Szene entlang des Flussufers.
Das römische und muslimische Zaragoza
Wenige wissen, dass Zaragoza eines der am besten dokumentierten römischen Foren Spaniens bewahrt. Das Museum des Foro de Caesaraugusta, unter der Plaza del Pilar gelegen, ermöglicht einen Rundgang über die Überreste von Tempeln, Thermen und Theatern aus dem 1. Jahrhundert v. Chr.
Es lohnt sich auch, den Palast der Aljafería zu besuchen, einen authentischen arabischen Palast aus dem 11. Jahrhundert, der als Residenz der Taifa-Könige diente. Seine Stuckbögen und inneren Gärten erwecken die andalusische Eleganz. Heute beherbergt er die Cortes de Aragón, ist aber nach wie vor eines der wichtigsten islamischen Monumente außerhalb Andalusiens.
Gastronomie mit aragonischer Seele
Die Küche von Zaragoza kombiniert Tradition und Authentizität. Das Ternasco de Aragón, die Produkte aus dem Ebro-Tal, die handgemachten Käse und die Weine aus dem Campo de Borja sind wesentliche Bestandteile ihrer Identität. Für ein umfassendes Erlebnis bieten die Restaurants der Altstadt und die Bars im Tubo Degustationsmenüs und Tapas an, die von den klassischsten bis zu den kreativsten reichen. Und wenn Sie die Stadt im Herbst besuchen, verpassen Sie nicht das Festival del Pilar, eine Feier voller Musik, Blumen und Volkskultur.
Warum es sich lohnt
Zaragoza ist keine Stadt, die man im Schnelldurchlauf betrachtet. Ihr Charme liegt in den Details: eine Mudéjar-Ziegel-Fassade im Abendlicht, das Spiegelbild des Ebro, das Aroma von Kaffee auf einem ruhigen Platz, der Klang der Glocken des Pilares, der sich mit dem Murmeln des Windes vermischt.
Es ist ein Ort, an dem sich der Besucher willkommen fühlt, an dem die Vergangenheit mit Stolz gelebt wird und wo die Geschichte ohne Künstlichkeit mit der Modernität spricht.
Nur eineinhalb Stunden mit dem Zug von Madrid entfernt, bietet Zaragoza dem Reisenden ein authentisches, weniger touristisches und realistischeres Spanien. Es ist die Art von Stadt, die man nicht vergisst, denn man durchquert sie nicht nur: man lebt sie.










