Alberto Cortés: «Online-Tiermedizin kann Expertenwissen denen näherbringen, die es am meisten benötigen»

Die Leidenschaft für Tiere kennt kein Rentenalter. Im Alter von 74 Jahren hat der in Saragossa ansässige Tierarzt Alberto Cortés entschieden, eine neue berufliche Etappe einzuleiten, indem er eine Plattform für tierärztliche Online-Beratung ins Leben ruft, die auf kleine Tiere, exotische Arten und Wildtiere spezialisiert ist. Diese Initiative ist das Ergebnis jahrzehntelanger klinischer Erfahrung und einer festen Überzeugung: Das über eine Lebenszeit angesammelte Wissen sollte aufgrund des Alters nicht vernachlässigt werden.

«Mir geht es sehr gut und ich arbeite gerne in meinem Metier», erklärt Cortés. Er erkennt jedoch an, dass der Arbeitsmarkt nicht immer die berufliche Kontinuität für Tierärzte mit einer so langen Laufbahn erleichtert. Statt sich damit abzufinden, hat er sich entschieden, sich dank neuer Technologien neu zu erfinden.

Ein Pionier für exotische Tiere

Die Karriere von Alberto Cortés war von Innovation geprägt. Während er noch Veterinärmedizin studierte, hatte er die Möglichkeit, drei Jahre lang in Río León, einer zoologischen Einrichtung in El Vendrel, zu arbeiten, wo Elefanten, Giraffen, Nashörner, Löwen und Tiger sowie andere Arten zusammenlebten.

Diese Erfahrung weckte sein Interesse an wilden und exotischen Tieren zu einer Zeit, als in Spanien kaum Spezialisten existierten. «Ich fragte, ob sie jemanden brauchen, um sich um die Tiere zu kümmern, und sie sagten mir: ‘Wann möchtest du anfangen? Morgen?'», erinnert er sich. Im Laufe der Jahre wurde er zu einer der Referenzen in Aragón in diesem Bereich und konnte sogar die erste tierärztliche Klinik in Spanien für exotische Tiere gründen.

Die tierärztliche Beratung erreicht die digitale Welt

Sein neues Projekt setzt auf Online-Betreuung als ergänzendes Werkzeug zur Präsenzberatung. Durch Videoanrufe, Fotos und individuelle Beratung können Tierhalter professionelle Orientierung zur Gesundheit und zu der Haltung ihrer Tiere erhalten. «Es geht nicht darum, die körperliche Untersuchung zu ersetzen, wenn diese notwendig ist, sondern eine erste Einschätzung zu geben, Fragen zu klären oder den passenden Fachmann zu empfehlen, wenn es erforderlich ist», erklärt er.

Die Plattform richtet sich insbesondere an Besitzer von Reptilien, Vögeln, kleinen Säugetieren und anderen exotischen Arten, wird jedoch auch Anfragen zu Hunden und Katzen bearbeiten. Laut Cortés gibt es eine wachsende Nachfrage in diesem Sektor. «Der Markt ist riesig. Reptilien zum Beispiel sind immer häufiger in Haushalten anzutreffen.»

Technologie im Dienste der Erfahrung

Die Umsetzung des Projekts war nicht ohne Schwierigkeiten. Die Anpassung an die digitale Umgebung stellte eine der größten Herausforderungen dar. «Ich bin Tierarzt. Auch wenn ich mit Software gearbeitet habe, hatte ich nicht das nötige Wissen, um eine derartige Plattform zu entwickeln», gesteht er.

Monatelang widmete er mehrere Stunden am Tag der Weiterbildung und dem Entwurf eines einfachen und zugänglichen Werkzeugs für die Anwender. Das Ergebnis ist eine Website, die berufliche Erfahrung mit den Möglichkeiten der Telemedizin im veterinärmedizinischen Bereich kombiniert.

Darüber hinaus ist Cortés der Überzeugung, dass diese Art von Dienstleistungen besonders nützlich für Menschen mit Mobilitätsproblemen oder für Besitzer ist, die weit entfernt von zentralen Fachstellen für exotische Tiere leben.

Hitze, einer der größten Feinde von Haustieren

Das Interview dient auch dazu, einige der häufigsten Gesundheitsprobleme zu beleuchten, die derzeit Haustiere betreffen. Besonders deutlich wird der Einfluss der hohen Temperaturen. «Oft vergessen wir, dass ein Hund nur wenige Zentimeter über dem Boden läuft. Wenn der Asphalt extreme Temperaturen erreicht, leiden sie viel mehr darunter als wir», warnt er.

Reptilien benötigen auch eine besonderes Augenmerk im Sommer. War es traditionell eine Herausforderung, eine geeignete Temperatur in Terrarien zu halten, so ist es mittlerweile in vielen Fällen notwendig, diese zu kühlen, um Hitzeschläge zu vermeiden.

Er erinnert auch an die Wichtigkeit der kontrollierten Sonnenexposition für bestimmte Arten, da ultraviolette Strahlung für den Stoffwechselprozess im Zusammenhang mit Vitamin D unerlässlich ist.

Häufige Fehler bei der Pflege exotischer Tiere

Die meisten Krankheiten, die er bei exotischen Tieren beobachtet, stehen in Zusammenhang mit Pflege- und Ernährungsfehlern. Ein scheinbar einfaches Beispiel kann schwerwiegende Folgen haben. Die Plastikbretter in vielen Käfigen für Zier Vögel ermöglichen keinen natürlichen Abnutzungsprozess der Haut an den Füßen. «Am Ende führen sie zu Wunden an den Füßen, die sehr ernsthafte Probleme nach sich ziehen können. Oft reicht es, sie durch geeignete Holzstangen zu ersetzen, um Komplikationen zu vermeiden», erklärt er.

Bei Reptilien sind Temperatur-, Feuchtigkeits- oder Lichtmängel nach wie vor die häufigsten Gründe für Anfragen. Bei kleinen Säugetieren hingegen treten Krankheiten auf, die sehr menschliche ähneln, von Allergien bis hin zu Atemproblemen.

Stresste Katzen und Hunde mit Verdauungsproblemen

Wenn es um die häufigsten Haustiere geht, identifiziert Cortés sehr klare Unterschiede zwischen Hunden und Katzen. Die Katzen zeichnen sich durch ihre Empfindlichkeit gegenüber Veränderungen aus. Eine Veränderung des Standortes des Futternapfs, der Wechsel des Behälters oder eine Änderung ihrer gewohnten Abläufe kann bei ihnen Stresssituationen hervorrufen, die direkt ihr Verhalten und ihre Ernährung beeinträchtigen.

«Sie sind extrem routiniert. Eine kleine Veränderung kann dazu führen, dass sie aufhören zu essen oder nach Alternativen suchen, um Wasser zu trinken», führt er aus.

Bei Hunden hingegen stehen Verdauungs- und dermatologische Probleme an oberster Stelle der Anfragen. Plötzliche Änderungen in der Ernährung oder der Konsum ungeeigneter Nahrungsmittel führen häufig zu Erbrechen, Durchfall und anderen gastrointestinalen Störungen.

Eine zunehmend stärkere Bindung

Der Tierarzt beobachtet auch einen gesellschaftlichen Wandel in der Beziehung zwischen Menschen und ihren Haustieren. Obwohl er der Meinung ist, dass die Zuneigung zu Tieren immer existiert hat, glaubt er, dass sie heutzutage viel sichtbarer zum Ausdruck kommt. «Früher fühlten die Menschen das gleiche für ihre Tiere, aber sie zeigten es nicht so viel. Heute wird mehr darüber gesprochen und mehr demonstriert», schließt er.

Nach einem ganzen Leben, das der Profession gewidmet ist, ist Alberto Cortés weiterhin überzeugt, dass das Wohlbefinden der Tiere durch bessere Informationen und spezialisierte Betreuung gefördert wird. Seine neue digiatale Abenteuer verfolgt genau dieses Ziel: Jahrzehnte an Erfahrung für jeden Tierhalter zugänglich zu machen, unabhängig davon, wo dieser sich befindet. Denn, wie seine Laufbahn zeigt, versteht Berufung kein Alter.

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